„Du stellst meine Füße auf weiten Raum“, heißt es in Psalm 31.
Nicht, dass ich falsch verstanden werde. Ich freue mich natürlich besonders, wenn die Kirche mal wieder voll ist. Aber es gibt einen historischen Gedanken, der mir das einleuchtend gemacht hat, dass halbvolle Kirchen etwas für sich haben.
Im Mittelalter bemühte man sich, die Kirchen immer größer zu bauen, als es eigentlich nötig gewesen wäre. Man wollte den Menschen einen Eindruck, eine Ahnung wenigstens vermitteln, wie groß der Himmel ist.
Wie viel Raum zum Stehen und Laufen, wie viel Luft über dem Kopf, wie viel Ecken und Nischen der Himmel für uns bereit hat.
Die Menschen lebten damals ja oft mit vielen anderen zusammen auf wenigen Quadratmetern, in kleinen Häusern und Hütten – man denke nur an die winzigen Schwibbogenhäuser an der Butzbacher Altstadtmauer. Die Decke war mit der Hand zu greifen, die Fenster waren ziemlich klein, Licht gab es wenig. Der Schritt über die Schwelle der Kirche war schon deswegen ein Erlebnis, weil ein weiter Raum erlebt wurde. Die große Grundfläche, die hohen Säulen, die Kuppeln und Gewölbe unter denen man mehrere ihrer eigenen Häuser hätte stapeln können, das muss die Menschen beeindruckt haben.
Wenn ich in einer großen Kirche stehe, so wie zum Beispiel in der Markuskirche in Butzbach, dann kann ich vielleicht allein durch den Raum schon etwas von der Weite spüren, die Gott für uns bereithält. Auch und vielleicht gerade, wenn nur wenige Menschen mit mir zusammen sind.
Ja, das kann ich mir auch wünschen: So soll es im Himmel sein: keine Drängelei, kein Geruch nach feuchten Mänteln und dem Schweiß der Nachbarn, sondern Weite und Höhe und Luft.
Ja, du stellst meine Füße auf weiten Raum. Wunderbar ist das.